Zum ersten Mal: Bloggen

oder: Im Fass die Niagarafälle hinunter

Eines möchte ich gern klarstellen: Das ist kein Fake! Edda und mich gibt es wirklich – auch wenn wir es noch nicht geschafft haben, Fotos von uns auf der „About“-Seite einzustellen. Und wie beschrieben kennen wir uns noch nicht besonders gut. Ich musste das jetzt einfach mal loswerden, weil jemand aus meinem engeren Umfeld danach gefragt hat. Also: ob es Edda wirklich gibt. Die fragliche Person hatte die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass das ein Griff in die Trickkiste und Edda in Australien eine Erfindung sei. Gar nicht mal so eine schlechte Idee, aber journalistisch gesehen natürlich ein absolutes No Go. Wir wollen schließlich keinen auf Claas Relotius machen. Wir sind echt. Und was wir schreiben, ist auch echt. Das heißt aber nicht, dass wir auf unserem Blog über alles berichten, was uns bewegt. Aber über einiges. Erste Male, letzte Male, allein oder im Dialog, und seit neustem auch über Dinge, die uns im Leben immer wieder begegnen. Sozusagen über Stalker. Ich werde demnächst mal ganz ausführlich über meine Zwänge schreiben, denn die lassen sich nur schwer abschütteln und Eddas und mein Dialog hierzu hat viele interessiert.

Vielleicht ist es ebenfalls interessant zu erfahren, wie Edda und ich uns kennengelernt haben. Gern würde ich jetzt eine abenteuerliche Geschichte erzählen, die irgendetwas mit einer Flussfahrt im Fass und einem Sturz im selbigen die Niagarafälle herab zu tun hätte. Oder damit, dass wir beide unabhängig voneinander ein Rüblikuchen-Café in New York oder auf Bornholm eröffnen wollten und eine findige Geschäftspartnerin gesucht haben: per Annonce in der New York Times oder in Bornholms Tidende. Das stimmt aber alles nicht und wir wollen hier auf jeden Fall bei der Wahrheit bleiben (siehe oben!).

Und die ist eigentlich auch ganz interessant: Wer diesen Blog bisher aufmerksam verfolgt hat, wird wissen, dass ich gern Schriftstellerin wäre. Und Edda sollte in meiner Vorstellung keine geringere Rolle als die meiner Entdeckerin spielen. Sie sollte mich unter ihre Fittiche nehmen! Das wünsche ich mir nämlich schon lange: dass mich jemand unter seine Fittiche nimmt. Das ist so eine schöne Formulierung – allein schon deshalb sollte sie Teil meines Lebens sein. Und um das mit den Fittichen zu klären, habe ich Edda im Sommer letzten Jahres hoffnungsfroh angeschrieben. Edda ist nämlich so eine Art One-Woman-Show. Während sie mit ihren fünf Kindern jongliert und Hank gegen das Schienbein tritt, eine Vollzeit-Hebammenausbildung macht und nebenher noch bloggt und lektoriert und bäckt – habe ich etwas vergessen, Edda? –, führt sie eine Literaturagentur, auf die ich über den Umweg über den Autor, den ich hier Balthasar Tempo nenne, aufmerksam geworden bin.

Das kam so: Mein Vater hat im Radio einen Beitrag über eines von Balthasar Tempos Büchern gehört, ist in den Buchladen gelaufen (das war noch vor Corona) und hat eben dieses Buch für meine älteste Tochter gekauft, die es dann zuerst gelesen hat, im vergangenen Sommer während unseres Urlaubs auf Bornholm habe ich es mir vorgenommen. Schon vor der Lektüre hatte ich mich gefragt, welche Agentur wohl diesen Herrn Tempo vertritt, und nach kurzer Google-Recherche bin ich auf Edda gestoßen, die als Piratenkapitän die sieben Weltmeere bereist, wie sie auf ihrer Agentur-Homepage schreibt – ein Lichtblick in der grauen Ernsthaftigkeit und Strenge der Literaturagentur-Webseiten!  Beherzt schrieb ich Edda und – Tada! – handelte mir eine Absage für mein literarisches Gesamtwerk ein, bestehend aus einem Kinder- und einem Jugendbuch. ABER!!!! Und jetzt kommt es: Edda fragte mich, ob ich vielleicht Lust hätte, mit ihr zu bloggen, ich könne das aber auch doof finden. Das fand ich nicht und deshalb sitze ich heute hier und tippe eifrig diesen Beitrag, übrigens mit meinen beiden Mittelfingern, wie mir gerade zum ersten Mal auffällt. Am Rande bemerkt: es ist nicht mein einziger Spleen.

Auf dem Weg zum gemeinsamen Blog mussten Edda und ich in unserem schwimmenden Fass noch einige Stromschnellen umschiffen, denn es ist gar nicht so einfach, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Erst recht nicht, wenn man sich nicht kennt. Edda musste zum Beispiel ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, dass es ja nicht immer gleich 250 Seiten in Romanform sein müssen, um jemanden zu berühren. Es könne auch Spaß machen, einen kurzen knackigen Blogeintrag zu verfassen. Auch der würde Menschen erreichen – und über das Medium Internet viel schneller und unmittelbarer als es meine Roman-Entwürfe derzeit könnten.

Außerdem habe ich im Fass zwischenzeitlich schrecklich kalte Füße bekommen – wahrscheinlich war Wasser eingedrungen! – und Edda musste mir das Händchen halten. Denn für mich ist Bloggen absolutes Neuland und es hat mir ein seltsames Gefühl gemacht, etwas über mich zu schreiben, das theoretisch jeder lesen kann (und praktisch übrigens leider noch nicht allzu viele tun). Ich möchte ganz ehrlich sein: Bei diesem Gedanken ist mir anfangs richtiggehend heiß und kalt geworden. Ich erinnere mich daran, wie ich einem Kollegen von dem Blog erzählt habe, da war er gerade online gegangen. Der Kollege war total interessiert und hat mich überraschenderweise gleich nach der URL gefragt – und ich dachte, ich muss den Blog sofort wieder abschalten. SOFORT!!!

Ich schreibe ja schon lange als Redakteurin, aber wir haben bei unserer Zeitschrift keine Autorenzeilen über oder unter unseren Texten, sodass kein Leser weiß, welcher Redakteur welchen Artikel geschrieben hat. Wir sind deshalb eigentlich total anonym und stehen nur im Impressum. Was ich verzapfe, ist also nicht auf mich zurückzuführen. Und jetzt würde ich nicht nur unter meinem Namen schreiben, sondern auch noch über mich! Schluck! Aber eigentlich geht es ja beim Bloggen – wenn nicht beim Schreiben überhaupt! – darum, etwas von sich preiszugeben, sich zu öffnen, etwas zu teilen und sich vielleicht sogar angreifbar zu machen. Also habe ich den Kloß in meinem Hals hinuntergeschluckt und meine wiederholten Schweißausbrüche ignoriert. Denn eigentlich tue ich ja das, was ich immer tun wollte: Ich schreibe.

Und deshalb sind wir jetzt hier: Edda in Australien und ich in Berlin und ihr irgendwo auf der Welt, vielleicht in New York, vielleicht auf Bornholm. Der Blog ist online und wird im besten Fall Woche für Woche von uns befüllt – und wenn es das letzte ist, was wir als Mütter von insgesamt zehn Kindern und nach unseren Arbeitswochen als Hebamme und Redakteurin tun! Denn unsere Flussfahrt, unser Abenteuer, unsere gemeinsame Reise ist noch lange nicht zu Ende – sie fängt gerade erst an. Und wir würden uns freuen, wenn ihr mit dabei wärt. Kommt doch einfach an Bord.

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