Dialog: Freundebuch II

EDDA: Hast Du Lust, mir mal diese ganzen Freundschaftsbuch-Fragen zu beantworten? Lieblingsfarbe und so kenne ich schon. Mir fehlt noch Lieblingsessen, Lieblingstier und was Du werden willst, wenn Du groß bist. Vielleicht noch Lieblingsort. Und Lieblingsbuch!

SOPHIE: Ich esse leider wahnsinnig gern Pizza und Pasta. Low Carb macht mir ganz schnell ganz schlechte Laune. Damit darf man mir wirklich nicht kommen. Vor allem nicht an Tagen, an denen ich laufen war. Und du?

EDDA: Ich mag gerne Salat mit viel drin: Nüsse, Rote Bete, Gurken, Tofu und so. Jetzt klinge ich echt wie Jane Fonda, aber ich mag Salat, weil – Achtung: jetzt wird es echt neurotisch – mich das schon als Kind überfordert hat, wenn ich so einen Teller mit Essen vor mir hatte. Ich mag überhaupt nicht, wenn man mir einen Teller hinstellt und ich soll das essen und da ist ein Gericht drauf. Ich mag im Essen wühlen und mir überlegen, ob ich jetzt Gurke essen will, Paprika, ein Salatblatt usw. Deswegen bin ich auch ein Multikomponenten-Koch. Ich koche nie was, was da einfach so auf dem Teller liegt. Es gibt immer ein Gericht und dann Salat und Brot und noch irgendwas dazu. Wie ein Buffet. Damit sich jeder aussuchen kann, wie er sich seinen Teller zusammenbaut. Und weil hier in Australien Ganztagsschule ist und die Kinder in der Schule essen, haben sie Bentoboxen mit vielen Fächern und in jedem Fach ist was anderes drin. Beim Gedanken, meinen Kindern ein belegtes Brot mitzugeben, wird mir selber schlecht und ich lasse es dann. Das hat witzigerweise zur Folge, dass meine Kinder bei der Oma immer Käsebrot zum Frühstück wollen und froh sind, dass ihre Essen-neurotische Mama ihnen nicht mit Overnight Oats und tausend Komponenten nachrennt.

SOPHIE: Das klingt wirklich etwas neurotisch. Aber das schreckt mich nicht ab! Für Neurotiker habe ich ein großes Herz. Ein ganz großes.

Salat esse ich auch sehr gern, ebenfalls mit vielen Komponenten. Rote Beete liebe ich! Seitdem wir Kaninchen haben, knabbern alle auch ständig Gurke: morgens, mittags, abends. Nicht nur die Kaninchen! Wir alle! (Außer mein Mann.) Unser Gurkenkonsum hat sich verhunderttausendfacht. Ach, ja, Jimmy und Hermine, unsere kleinen Schnuffis. Das sind übrigens meine Lieblingstiere.

Sag du mir auch deine ganzen Lieblings…! Ich will alles wissen: vom Tier über das Buch bis zu hin zum Ort!

EDDA: Ich mag gerne große Hunde. Und Schafe. Haie mag ich auch, wenn auch nicht im offenen Ozean neben mir. Ich liebe Kookaburras, die es hier oft gibt. Ich mag Schildkröten gerne. Und Seepferdchen, weil die so melancholisch aussehen. Ich hätte gerne Hühner, am liebsten chinesische Seidenhühner. Ich wollte immer einen Irish Wolfhound, den ich dann Ringo genannt hätte. Und zwei Schafe, die George und John heißen. Einen Paul habe ich ja schon. Dann hätte ich die Beatles. Meine zwei Seidenhühner könnte ich dann Yoko und Ono nennen.

SOPHIE: Chinesische Seidenhühner musste ich erstmal googeln, aber ich habe sie dann wiedererkannt, gibts im Berliner Zoo. Da haben sie allerdings leider keine Namen wie beispielsweise Mick oder Keith. Es sind wohl einfach zu viele oder vielleicht lassen sie sich auch nicht gut auseinanderhalten.

Du hattest nach meinem Lieblingsbuch gefragt: Das ist ganz leicht! „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner. Hatte ich schon erwähnt, dass er mein größtes Idol ist? Das Buch berührt mich bei jedem Lesen wieder bis ins Mark. Lieblingsszene: Als der Lehrer dem einen Jungen Geld leiht, damit dieser zu Weihnachten seine Eltern besuchen kann.

Was ich auch großartig finde: „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky und „Kapital“ von John Lanchester.

EDDA: Ich bin nie mehr berührt worden als von Büchern von Peter Pohl. So würde ich auch gerne schreiben können – so, dass sich der Text bei dem Leser auf die Schulter setzt und für den Rest des Lebens da sitzenbleibt. Ich mag gerne Haruki Murakami. Und Weetzie Bat von Francesca Lia Block. Aber am allerliebsten lese ich Donald Duck Comics, Calvin & Hobbes, Comics überhaupt. Und ich mag sehr gerne Kochbücher und Gartenbücher.

SOPHIE: Ich glaube, ich wünsche mir ein Buch von Peter Pohl zu meinem nächsten Geburtstag. Was du über ihn schreibst, klingt gut. Laut Wikipedia könnten da aber sehr traurige Geschichten auf mich zukommen. Bin ich dafür stark genug?

EDDA: Klar. Weil er, genau wie andere skandinavische Autoren, Kindern schon früh die ganze Wucht von Gefühlen zugestanden hat: Wut, Zorn, Neid, Liebe, Trauer, Schmerz. Ich kann Kinderbücher nicht aushalten, in denen Kinder Gartenzwerg-artig süß rumstehen und auch ihre Gefühle klein sind. Die Wahrheit ist doch, dass Kindergefühle oft größer sind als sie selber.

SOPHIE: Sehe ich ganz genauso. Deshalb verehre ich Erich Kästner und Astrid Lindgren.

Meine Lieblingsorte sind übrigens: Ostseestrand, Düne auf Bornholm, mein Bett.

EDDA: Ich habe eine große Liebe zu und Sehnsucht nach New York. Ich war da mal für ein paar Monate und dann später nochmal ein paar Monate zum Praktikum. Und ich bin dieser Stadt nie müde geworden. Ich mag alles mit Meer. Naja, manches mehr und manches weniger. Aber was Meer hat, liegt bei mir nie ganz daneben. Mein Lieblingsort ist Unterwegs. Das klingt komisch, aber ich mag unterwegs sein. Bahnhöfe, Flughäfen, aufbrechen, losgehen. Bei mir und meinen fünf Kindern sieht das gerne dann so aus, als sei der Wanderzirkus in der Stadt, weil wir natürlich eine sehr materialintensive Familie sind. Aber ich muss immer irgendwohin. Ich bin mal gespannt, ob irgendwer meine Unruhe geerbt hat.

SOPHIE: Ich bin auf Bahnhöfen und Flughäfen immer latent aufgeregt, deshalb mag ich es dort nicht so gern. Ich war noch niemals in New York (und auch noch niemals auf Hawaii, aber das nur am Rande bemerkt, ist mir gerade irgendwie eingefallen) – aber ich möchte unbedingt mal hin! Vielleicht kannst du mir bei Gelegenheit mal mehr von New York erzählen.

Schreibst du mir noch, was du gern für eine Superkraft hättest? Und nenne mir doch bitte deine drei besten Eigenschaften (und wenn du magst auch deine drei schlechtesten), damit auch mein Freundebuch bald ausgefüllt ist.

EDDA: Ich würde mich gerne bei Bedarf in einen Hai verwandeln können. Die große Stille unter Wasser, die weiten Distanzen bei minimaler Kraftaufwendung und die Einsamkeit ohne allein zu sein – das wäre es. Und wenn wir schon dabei sind, hätte ich dann natürlich gerne in meiner Menschengestalt irgendein Merkmal, dass an meine Hai-Identität erinnert: eine Narbe am Hals von einer Harpune oder so.

Meine schlechtesten Eigenschaften sind meine Unruhe, meine Ungeduld und meine großen Füße. Meine besten Eigenschaften sind meine Unruhe, meine Ungeduld und meine großen Füße. Und bei Dir?

SOPHIE: Das mit dem Hai schreit danach, in einer Geschichte vorzukommen!

Wie groß sind denn deine großen Füße? Und du? Wie groß bist du? Wie siehst du überhaupt aus? Beschreib‘ dich mal, Jane Fonda!

EDDA: Ich habe Schuhgröße 42 und bin manchmal 1,79 und manchmal 1,80, je nachdem, wer misst. Braune Augen und ein Gesicht, dem man sofort ansieht, ob es mir gut oder schlecht geht, ob ich mich wohlfühle oder wegrennen möchte. An mir ist alles lang: Füße, Finger, Arme, Nase, Beine, Hals. Ich sehe überhaupt nicht zerbrechlich aus, sondern man sieht, dass ich Kraft habe und ich finde, dass man mir ansieht, wie zäh ich bin. Ich habe oft Gartendreck unter den Fingernägeln – aber ich ziehe mich gerne schön an, was das hoffentlich ausgleicht. Meine Mama sagt immer, dass ich und meine Kinder so klare Gesichter hätten, bei denen man in die Seele schauen kann. Zusätzlich habe ich auch eine sehr laute Stimme, durch die sich meine Seele jederzeit Gehör verschaffen kann. 

SOPHIE: Ich habe Schuhgröße 39/40 und bin – je nach Messung – 1,71 oder 1,72 m groß (ich bevorzuge Letzteres). Im Verhältnis Größe/Schuhgröße scheinen wir zueinander zu passen, ich habe die Daten gerade in den selbstgemalten Computer meiner jüngsten Tochter eingegeben. Perfect match! Ich bin ganz froh, dass ich nicht von zwergenhafter Gestalt bin. Wenn ich zu anderen ständig aufschauen muss, kriege ich schnell Nackenprobleme.

Wegen der schlechten Eigenschaften habe ich meine Familie befragt. Mein Mann hat das Wort „Choleriker“ in den Raum gestellt, meine große Tochter meint, dass ich mir zu viele Sorgen mache, also bin ich wohl sorgenvoll. Meine Mittlere sagte, ich sei manchmal richtig fies. (Oh je!) Die Kleinste ist gerade bei einer Freundin. Das muss ich nachreichen.

Gute Eigenschaften: Ich bin verlässlich, empfindsam und mitfühlend. Und wenn ich etwas Nettes über andere Menschen denke, dann versuche ich ihnen das immer gleich zu sagen.

Ach, ja, wenn ich mal groß bin, möchte ich Kinderbuchautorin werden. Wenn das nicht klappt, Musicaldarstellerin. Wenn das nicht klappt – und das wird es bestimmt nicht, weil ich nicht singen kann! –, Sportreporterin. Und du?

EDDA: Toll! Welcher Sport? Mehr so Leichtathletik? Fußball???? Bitte sag nicht Eiskunstlauf oder Kunstturnen, denn sonst schreie ich.

Ich möchte gerne Kioskbesitzerin, Hebamme (aber freiberuflich, nicht im Krankenhaus) und Autorin werden. Natürlich alles gleichzeitig. Dann könnten die Kinder, die ich zur Welt bringe, später bei mir gemischte Tüten kaufen.

SOPHIE: Eigentlich wollte ich ja Kunstturnen sagen, aber das lasse ich jetzt lieber. Ich habe unsere Brieffreundschaft mit meinen ganzen Geständnissen schon genug strapaziert. Nein, Spaß beiseite, wie man vielleicht in den Achtzigern gesagt hätte. Als Sportreporterin hätte ich mich am liebsten mit „echten Männern“ umgeben. Rugby, Hand-, Basket-, Volleyball – darüber habe und hätte ich geschrieben. Hauptsache, die Männer wären 20 Zentimeter größer als ich. Ich habe mal längere Zeit im Sportressort einer Berliner Tageszeitung ein Praktikum gemacht, da hat es mich auch nicht gestört, zu den Sportlern hochgucken zu müssen. Ich habe das immer genossen: nach dem Spiel mit meinem Stift in der Hand und meinem Block neben einem Hünen zu stehen und möglichst kluge Fragen zu stellen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich quasi auf dem Rugbyplatz aufgewachsen bin? Mein Bruder hat gespielt, er war sogar eine Zeit lang in der Junioren-Nationalmannschaft. Über Sport lässt sich gut schreiben, weil immer etwas passiert. Ich schreibe ja von Berufs wegen viel über Rechtsthemen. Da passiert nie irgendetwas.

Magst du eigentlich Nachtisch?

EDDA: Ich bin kein großer Nachtisch-Esser. Aber ich mag Süßigkeiten sehr gerne. Und am liebsten Lakritze in jeder Form. Ich liebe Lakritze! Und ich mag diese gemischten Tüten vom Kiosk. Drei saure Schlangen in Orange, ein großes Marshmallow .. so was. Ich bin nämlich sehr empfindlich, was Gummibärchenfarben angeht. Weswegen sich für mich nie eine normale Tüte aus dem Supermarkt eignen würde. Ich mag nämlich nur Gummizeug, wenn es Orange oder Gelb ist. Vielleicht noch Grün. Verwirrend für mich ist, dass in Australien gelbes Gummizeug nach Banane schmeckt und nicht nach Zitrone … Banane als Geschmacksrichtung ist übel. Ich habe lange davon geträumt, so einen altmodischen Kiosk zu besitzen und gemischte Tüten zu verkaufen. Ich könnte auch Süßigkeiten-Buffet-Designerin werden.

SOPHIE: Ich hasse Lakritze! Und habe mich jetzt mehrmals vertippt bei dem Wort. Ich glaube, Lakritze spaltet die Menschheit in zwei Lager: manche lieben sie, manche hassen sie. Dabei fällt mir ein: Magst du Koriander? Es gibt ja Menschen, die den Geschmack als „seifig“ empfinden. Zu denen gehöre ich. Beim Inder nehme ich immer die „16 ohne Koriander“. Als man wegen Corona nicht mehr essen gehen konnte, haben wir einmal pro Woche Essen bestellt, damit sich hoffentlich all unsere Lieblingsrestaurants halten können. Eine Studie legt übrigens nahe, dass die Abneigung gegen Koriander genetisch bedingt ist. Damit geht auch der Hang zur Zwanghaftigkeit und Melancholie einher. Nein, den letzten Satz habe ich nur so dahin geschrieben. Aber vielleicht stimmt das sogar und es ist nur noch nicht erforscht worden, weil es niemanden außer mich interessiert. Also: Seifig oder lecker?

EDDA: Bei Koriander muss ich immer an kleine Kinder denken, die sich, wenn sie was im Mund haben, was sie eklig finden, das immer so ungeniert von der Zunge kratzen. Ohne Mist! Mein Baby streckt dann die Zunge raus, kratzt das mit den Händen ab und schmiert es an den Tisch, den Hochstuhl oder die Wand. Und schaut mich an, als wollte ich sie vergiften. So geht es mir mit Koriander. Ich würde mir den gerne von der Zunge kratzen, wenn es irgendwo drin ist. Aber Lakritze!!! Du magst doch Dänemark. Da gibt es doch sooooo tolle Lakritze. Lakritze ist auch gar keine Süßigkeit, sondern macht schön und schlau und ist lebensverlängernd. Bestimmt! Naja, wenn wir gemeinsam im Holzfass den Niagarafall runterfahren und ich meine Lakritzschnecken mit dir teilen will, dann kannst du sie dir ja in die Ohren stopfen, damit du mein lautes Gequieke nicht hören musst, wenn es steil runtergeht. Was findest Du denn noch eklig?

SOPHIE: Ich bin nicht so der Meeresfrüchte-Typ und esse grundsätzlich ungern etwas mit Noppen dran. Gemischte Tüten mag ich übrigens! Das erinnert mich an meine Kindheit. Große Teile davon habe ich auf dem Rugbyplatz verbracht (siehe oben). In der Nähe des Spielfelds gab es einen Kiosk, bei dem man bunte Tüten kaufen konnte. Ich mag zum Beispiel diese Frösche mit weißem Schaumboden. Und bei Gummibärchen esse ich am liebsten die roten und die weißen. Wir könnten also irgendwann einmal zusammen eine Tüte im Supermarkt kaufen, am Strand sitzen, Delfine beobachten und würden nicht in Streit geraten. Also jedenfalls nicht wegen der Gummibärchen.

5 Kommentare zu „Dialog: Freundebuch II“

  1. Ihr Beide seid einfach ganz viel -haft, sprich: zauberhaft, traumhaft, sagenhaft! Am liebsten hätte ich mich dazugesetzt und mitgequatscht! Ich liebe euren Blog (einschleim), gemischte Tüten, Lakritze über alles und hasse Koriander (von der Zunge abkratz)…wenn‘s jemanden interessiert ;-).

  2. Liebe Anja, herzlichen Dank für deine lieben Worte! Wir freuen uns immer wieder sehr, von dir zu lesen. Und ja, vielleicht setzt du dich beim nächsten Mal einfach dazu und erzählst uns, was deine ganzen Lieblings- sind.
    Als Preis für eine unserer treuesten Leserinnen würde ich dir gern demnächst eine gemischte Tüte überreichen – oder ich lade dich auf eine „16 ohne Koriander“ zum Inder ein. Liebe Grüße, Sophie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s