Dialog: Über Komplexe, Kronjuwelen und irgendwie auch über Rosinen

EDDA: Liebe Sophie, in einem unserer letzten Briefwechsel hast du geschrieben, dass, wenn du ein Kuchen wärst, du einer aus der zweiten Reihe seist. Den die Leute dann entdecken würden, wenn die anderen Torten schon weg sind. Und ihn dann wirklich toll finden. Sich daran leider aber bei der nächsten Tortenschlacht schon nicht mehr erinnern würden. Ich habe daraufhin gesagt, dass wir doch darüber mal schreiben könnten. Bist du bereit? 

SOPHIE: Ich denke, ja. Wobei, ich hole mir vielleicht noch einen koffeinfreien Kaffee oder besser: ein stilles Wasser. Okay, jetzt bin ich ganz Ohr.

EDDA: Los geht's. Du hattest mir vorgeschlagen, wir sollten doch den Dialog „Über Komplexe“ nennen. Aber Komplexe haben klingt so negativ. Dabei steckt doch „Komplexe“ in „Komplexes“ und Komplexität ist doch gesellschaftlich total anerkannt. Man denke nur an Impfkampagnen, Bruttosozialprodukte und Internetsicherheit – alles total komplexe Themen, die aber eine breite Erkenntnisgewissheit in der Bevölkerung zu haben scheinen. Fällt dir ein anderes Wort für Komplexe ein? Vielleicht Charakterstärken? Oder Kronjuwelen? Blubberfaktor??? Superraketendüsenantriebstufe?

SOPHIE: Bei Kronjuwelen musste ich ein bisschen schmunzeln. Da habe ich eine ganz andere Assoziation als ausgerechnet Komplexe. Ich frage mich, wieso...
Aber irgendwie gefällt mir das. Da steckt nämlich für mich etwas Wahres drin: Auch Komplexe hütet man manchmal wie seinen Augapfel und hält daran fest, oft selbst dann, wenn andere die Komplexe absolut nicht nachvollziehen können und behaupten, dass man gar keinen Grund dafür hat, an sich zu zweifeln.

EDDA: Das muss ein Mann in den 80er Jahren gewesen sein, der sich überlegt hat, er könnte ja seine schrumpeligen Eier einfach als Kronjuwelen bezeichnen. Dann würden vielleicht mehr Leute drauf stehen. Das rangiert in der Top 10 Liste aller Supereinfälle direkt hinter Sich-einen-Schnurrbart-stehen-lassen und Batikshirts aus Jamaika. 

SOPHIE: Den Schrumpelkerl sehe ich jetzt leider vor meinem geistigen Auge: mit Schnurrbart und Batik-Shirt. In meiner Fantasie trägt er auch noch einen Tanga – gehört auf jeden Fall auch auf die Liste der Supereinfälle: Tangas für Männer.

EDDA: Jeder hat Kronjuwelen und wie bei unserem 80er Jahre-Superheld sind die oft schrumpelig, hängen an einem dran wie Weltraumgemüse und … loswerden kann man sie trotzdem nicht. Das geht mir genau so. Ich finde einfach, dass man sich selbst deswegen nicht so kleinmachen muss. Sondern irgendwie einen liebevollen Blick entwickeln sollte. Ich habe vor jeder Matheprüfung in meinem Studium Schiss. Vor jeder. Weil ich irgendwann beschlossen habe, ich würde Mathe nicht verstehen. Nie. Unter keinen Umständen. Dabei stimmt das so gar nicht. Aber Komplexe haben ja durchaus Schutzfaktor und weil ich Angst habe, bei Matheprüfungen zu versagen, sage ich lieber vorher, dass ich das noch nie konnte. 

SOPHIE: Ich habe Mathe irgendwann tatsächlich nicht mehr verstanden. Das war in der zwölften Klasse, als ich aus meinem Austauschjahr nach Argentinien zurückgekommen war. Irgendwie hatte ich den Anschluss verpasst – und dann war es auch ein Stück weit cool, Mathe nicht mehr zu kapieren. 

Manche Kronjuwelen schleppe ich schon seit grauer Vorzeit mit mir herum, und damit meine ich meine Kindheit. Es gab bei uns zu Hause einen großen Bilderrahmen, hinter dem Glas ganz viele Familienfotos, eines von mir im Badeanzug. Ich denke, auf dem Foto bin ich vielleicht acht Jahre alt. Ein Freund meines großen Bruders stand mal davor und sagte: „Mann, ist die dick.“ Er hatte mich nicht bemerkt, ich war hinter ihn getreten und habe es gehört. Das war ein schlimmer Moment für mich. Ich habe mich sehr geschämt.

EDDA: So ein blöder Arsch. Ich hoffe, Du hast ihm in den Hintern getreten. Oder wenigstens Dein Bruder? 

SOPHIE: Ich weiß nicht mehr, zu wem dieser Freund diese Gemeinheit gesagt hat. Bestimmt nicht zu meinem Bruder. Ich habe jedenfalls nicht darauf reagiert, ich wäre wirklich am liebsten im Boden versunken. Schon aussagekräftig, dass ich das heute noch weiß. Ich erinnere mich auch ziemlich genau an das Foto. Vielleicht muss ich meine Mutter mal bitten, es herauszusuchen: zur Trauma-Bewältigung.

Ich finde übrigens, dass du auch recht mit dem Raketenantrieb hast. Komplexe kitzeln Stärken aus einem heraus. Auf mein Aussehen kann ich mich vielleicht nicht zu hundert Prozent verlassen (vielleicht auch nur vermeintlich nicht), umso mehr versuche ich mit Schlagfertigkeit zu punkten.

EDDA: Keiner kann sich auf sein Aussehen verlassen. Denn das leistet einem ja nicht zwingend ein Leben lang Gesellschaft, sondern verabschiedet sich gerne auch irgendwann mal. Ich glaube, dass der Raketenantrieb mehr daher kommen könnte, dass man seine Kronjuwelen voller Stolz tragen sollte. Weil sie einen ausmachen. Weil man ohne sie nicht man selber wäre. Und weil man, wenn man sich selber nicht in seiner ganzen schrumpeligen Weltraumgemüsigkeit toll findet, irgendwie verloren ist. 

SOPHIE: Ich muss das auf mich wirken lassen: Sich in seiner ganzen schrumpeligen Weltraumgemüsigkeit toll finden. Vielleicht ist das ein Ansatz, den ich verfolgen sollte. 
Hast du Kronjuwelen oder Weltraumgemüse? Wo bewahrst du es auf? Gibt es Menschen, die einen Blick darauf werfen dürfen? Oder heißt es bei dir: Sorry, we're closed.

EDDA: Ich habe Sachen an mir, die mir nicht gefallen und weil das so ist, denke ich, dass die auch niemandem sonst gefallen. Meine großen Füße. Meine geraden Haare. Dass ich so schlecht in Mathe bin. Solche Sachen. Aber tatsächlich fühle ich mich mir selber immer verbunden. Irgendwie so, als wären ich und ich ziemlich gute Freunde. Weißt Du, ich habe ja meine toten Kinder selber in ihrer Urne zum Friedhof getragen. Der Tod meiner Mädchen hat in mir viel gereinigt und Platz gemacht. Oder anders: ich habe eine sehr niedrige Toleranzgrenze für Scheiße inklusive meiner hausgemachten. Weil ich weiß, was es für ein Privileg ist, im Leben auch mal Glück zu haben. Macht das Sinn?

SOPHIE: Ja, Edda, das macht es. Ich verstehe total, was du meinst. 

Am besten wäre, man würde es schaffen, die Dinge ohne solche Erfahrungen in Relation zu setzen. Natürlich spielt es keine Rolle, ob jemand große Füße oder gerade Haare hat. Die Geradhaarigen hätten vielleicht gern Locken. Aber man darf nicht vergessen, dass manche Lockige gern gerade Haare hätten. Die Dicken hätten gern mehr Taille und die Dünnen gern mehr Brust oder Po. Es gibt ja sogar solche Po-Vergrößerungs-Operationen, die noch dazu lebensgefährlich sind. Solche Auswüchse finde ich schon sehr gruselig. So weit sollte Komplexbeladenheit natürlich nicht führen.

Ich finde es dennoch nicht so einfach, das Weltraumgemüse über Bord zu werfen. Aber, wenn ich dich richtig verstehe, braucht man das ja gar nicht unbedingt. Du meinst, es könnte der nachhaltige Antrieb für die Superrakete sein, nicht wahr?
Was habe ich denn da parat? Meinen Pummelchen-Komplex, meinen Dünne-Haare-Komplex und – jetzt fällt mir schon  nichts mehr ein. Unser Dialog verzeichnet erste Erfolge.

Dennoch und unter uns: Manchmal, wirklich nur manchmal, wünschte ich mir, eine von diesen Frauen zu sein, die einen Raum betreten und dabei alle Blicke auf sich ziehen. Und: ich wünschte mir, ein bisschen sicherer mit mir selbst zu sein – das meine ich gar nicht in Bezug auf mein Aussehen, sondern insgesamt. Mir fehlt dieses berühmt-berüchtigte gesunde Selbstbewusstsein. Ich brauche immer mal wieder Zuspruch, sonst fange ich schnell an zu schwimmen. Ich schaffe es nicht gut, mir diesen Zuspruch selbst zu geben. Hast du irgendwelche Tipps auf Lager? Mehr Weltraumgemüse essen? Batiken?

EDDA: Ich würde gerne nochmal darauf zurückkommen, dass Komplexe/Kronjuwelen irgendwie Schutzfaktor haben. Man achtet besonders bei sich auf Sachen, von denen man eigentlich nicht will, dass sie andere sehen. Deswegen weist man lieber selber besonders gerne darauf hin oder versteckt sie total – weil man sich lieber selber wehtut, als jemand anderer...

SOPHIE: Ein sehr interessanter Gedanke!

EDDA: …Das muss aber nicht so bleiben. Man liebt ja beispielsweise seine Freunde auch dann, wenn sie immer in der Nase bohren, schrecklich stinkig pupsen, eine sehr peinliche Lache haben oder immer zu spät kommen. Das findet man dann im Einzelfall kacke – aber als Freunde liebt man sie trotzdem, weil sie einfach super sind und die kleinen Mängel nur ein winziger Teil des tollen Ganzen sind. Oder vielleicht gerade deswegen, weil sie eben sind, wie sie sind und man sie nicht anders will. Warum also sollte das bei der Liebe zu einem selbst anders sein? Ich finde es legitim, wenn man sich mal wünscht, dass einem alle Blicke zufliegen, wenn man einen Raum betritt. Aber im zweiten Gedanken ist es auch legitim, sich zu sagen, dass diese Blicke flüchtig sind, temporär. Heute schauen alle bewundernd, aber wenn Du morgen auf einmal humpelst, ein großes Muttermal im Gesicht hast oder alle Haare ausfallen, dann sehen die Blicke auf einmal echt anders aus. Sich selbst durch die Augen anderer zu sehen, ist irgendwie problematisch und man kann nichts wirklich darauf aufbauen. Letztendlich bist Du nämlich der einzige Mensch, der dein ganzes Leben lang mit dir klarkommen muss. Das klingt so total abgedroschen, aber wenn man drüber nachdenkt, macht es das nicht weniger wahr. Hilft das was?

SOPHIE: Ich werde dir mal ein Geheimnis verraten: Nur weil ich den einen oder anderen Komplex habe und mir dieses vielbesprochene gesunde Selbstbewusstsein fehlt, heißt das natürlich nicht, dass ich mich komplett doof finde. Andersherum: Ich finde mich selbst besser als es den Anschein hat. Oder als ich zeigen möchte. Irgendwie habe ich gelernt oder vielleicht auch nur falsch verstanden, dass es sich nicht gehört, sich selbst öffentlich gut zu finden. Von wegen „Eigenlob stinkt“ und so. Das ist ein beliebtes Thema zwischen meiner wunderbaren Freundin Goldlöckchen und mir, die das nämlich ebenso wenig kann wie ich: sich ohne Schamesröte im Gesicht selbst gut zu finden.
Ich warte lieber auf Bestätigung von außen, aber das bedeutet nicht, dass ich mich durch die Augen anderer sehe. Dennoch finde ich manchmal sogar, dass andere den unverstellteren, klareren Blick auf mich haben. Denn ich bin sehr selbstkritisch und perfektionistisch und eher streng mit mir selbst. Auch deshalb höre ich gern die Meinung anderer, die oftmals wohlwollender und wahrscheinlich objektiver ist. 

EDDA: Wieso glaubst du, dass andere den unverstellteren Blick auf dich haben? Das finde ich spannend, denn darauf wäre ich nie gekommen. Meine Eltern waren überzeugte Nonkonformisten und sind das bis heute – bei uns war das immer ein totaler Kampf, wenn ich gesagt habe, dass der oder die dieses oder jenes über mich gesagt haben. Was andere Leute über einen sagen sei irrelevant, haben meine Eltern immer behauptet. Deswegen ist Dein Blick darauf neu und spannend, erzähl mal. Im übrigen glaube ich, dass man sich selber super finden kann, ohne Eigenlob zu betreiben: so ganz für sich und ganz im Stillen. Bei Eigenlob geht es ja immer darum, dass man sich über jemanden anderen setzt oder sich vergleicht. Aber Selbstliebe geht ja bestimmt auch still, hoffe ich zumindest.

SOPHIE: Ich komme nochmal auf Goldlöckchen zurück, die ein extem gutes Beispiel dafür ist, dass manchmal andere den klareren Blick auf einen selbst haben können. Sie ist jemand, der einige Komplexe mit sich herumschleppt, sich zum Beispiel nicht gebildet genug findet, weil – ja, ich weiß es eigentlich auch nicht. Sie gehört definitiv zu den klügsten Menschen, die ich kenne! Sie hat so eine Klugkeit, die direkt aus dem Herzen kommt, und ein ganz feines Gespür für andere Menschen und Situationen – nur zu sich selbst findet sie diesen klaren Zugang nicht immer. Da steht ihr irgendetwas im Weg.  
Ich glaube, bei mir ist das ähnlich. Ich betrachte mich selbst wie gesagt auch eher kritisch und könnte dir einige Dinge an mir nennen, mit denen ich mich irgendwie unzulänglich fühle, zum Beispiel mit bestimmten Charakterzügen oder Verhaltensweisen. Aber ich denke, dass andere das nicht so sehen. Zumindest spiegeln sie mir das ganz anders. Ich kann versuchen, das nochmal anhand meines Pummelchen-Komplexes erklären: Es kann sein, dass ich mich pummeliger fühle als ich es objektiv gesehen bin. Niemand wird mich als gertenschlank beschreiben, aber vielleicht (hoffentlich!) auch niemand außer mir als pummelig. 

Vielleicht ergibt sich das klarste Bild der eigenen Person, wenn man die Einschätzungen aller anderen mit der Selbsteinschätzung kombiniert. Nur mal so ein Gedanke. 

Es gibt übrigens Menschen, die das echt gut können: einem die eigenen Charakterstärken und Fähigkeiten spiegeln. Meine Freundinnen Goldlöckchen und Schneewittchen gehören dazu (das ist aber nicht der Grund, warum ich mit ihnen befreundet bin). Ich mache das auch gern: nette Dinge sagen, Komplimente verteilen. Ich habe mir mal vorgenommen, etwas Nettes, was ich über eine andere Person denke, oder ein gutes Gefühl, das ich zu ihr habe, auch zu äußern und mit dieser Person zu teilen. Niemand hat etwas davon, wenn ich diesen Gedanken oder dieses Gefühl für mich behalte. Deshalb habe ich zum Beispiel neulich meinen ersten Leserbrief geschrieben und vor ein paar Monaten eine Dankesmail an die Gründer von BionTech. Auf beides habe ich übrigens Antwort erhalten, was mich sehr froh gemacht hat. Aber ich wäre auch ohne Rückmeldung zufrieden gewesen.

EDDA: Das ist ein schöner Ansatz, finde ich. Leute ein gutes Gefühl über sich selbst zu geben. Was macht das mit dir, wenn das andere Leute bei dir machen? Und wie passt das alles mit dem Kuchen in der zweiten Reihe zusammen? Was für eine Art Kuchen war das nochmal?

SOPHIE: Zuerst einmal: Wenn ich jemandem etwas Nettes sage, kommt ja meist umgehend etwas zurück: dieses Wohlgefühl, das man beim anderen auslöst, ist eine Art Bumerang – und am Ende sind alle Seiten glücklich, manchmal sogar beseelt. Das ist aber nicht der Grund dafür, Komplimente zu machen, ich würde es so oder so tun. Dieses gute Gefühl, was ich zu anderen habe, muss manchmal einfach heraus. 
Wenn jemand liebe, lobende oder wertschätzende Worte für mich findet, dann setzt dieses Wohlgefühl bei mir ein. Und wahrscheinlich gebe ich es dann zurück und so entsteht ein Hin- und Her der Wohlgefühle. Ich bin übrigens überzeugt davon: Kindness can change the world. Mir gelingt es übrigens auch nicht immer, „kind“ zu sein, aber ich versuche es zumindest.

Ich denke, dass ich für die Menschen, die mir nahestehen und denen ich nahestehe, ihr jeweiliger Lieblingskuchen sein kann. Den finden sie auch dann, wenn er noch nicht auf dem Buffet steht, sondern im Kühlschrank auf seinen Einsatz wartet.

Übrigens: Was mich bei anderen stört, ist ein überbordendes Selbstbewusstsein. Das finde ich unsympathisch. Auch deshalb bin ich mit Eigenlob etc. sehr zurückhaltend. Das ist für mich eine Frage des guten Stils und von Understatement. Damit meine ich nicht, dass man sein Licht unter den Scheffel stellen sollte. Aber dennoch: Weniger ist definitiv mehr. Das ist auch eine Typfrage. Ich war noch nie eine, die auf dicke Hose gemacht hat oder sich selbst anpreist. Das ist mir peinlich und deshalb bin ich lieber still. Daher bin ich auch beim Verbraucherjournalismus gut aufgehoben, da muss sich gottbewahre niemand ernsthaft profilieren. Das kommt mir sehr entgegen. 

EDDA: Aber Selbstbewusstsein und auf dicke Hose machen sind doch irgendwie zwei verschiedene Sachen, oder? Meiner Erfahrung nach brauchen Leute mit gesundem Selbstbewusstsein die dicke Hose nicht, sondern die strahlen das so still und selbstverständlich einfach aus. Und sind sich wahrscheinlich einfach selbst genug damit. 

SOPHIE: Ja, vielleicht hast du recht. Mag sein, dass ich da etwas vermenge. Vielleicht sind es genau die Menschen, die eigentlich gar nicht so selbstbewusst sind, die es dann mit dicker Hose und lautem Gepolter übertünchen wollen. Dann bleiben in meiner Wahrnehmung gar nicht so viele echt selbstbewusste Leute übrig... 
Wie war das bei dir im Verlagswesen? Braucht man Ellenbogen, um sich zu behaupten?

EDDA: Ich behaupte mal, dass man im Verlagswesen ziemlich viel Ellbogen braucht, weil die Konkurrenz in der Branche sehr groß ist. Es gibt viele Leute, die gerne was mit Büchern machen wollen und wahrscheinlich ist es so, dass man sich entweder gut verkaufen oder eine sehr fleißige Biene sein muss, um da durch zu kommen. Oder Beides. 

SOPHIE: Wie würdest du dich beschreiben? Bist du eher die gute Verkäuferin oder das fleißige Bienchen? Und ist es dir irgendwann auf den Wecker gefallen: dieser Ellenbogen-Einsatz? 
Was ich auch noch gern über dich wissen würde: Gibst du jetzt etwas auf die Meinung, die andere über dich haben? Freust du dich über Lob? Oder haben deine Eltern ganze Arbeit geleistet und du schöpfst einfach aus dir selbst?

EDDA: Man muss sich mal vorstellen, dass Du mir diesen Dialog mit der Ansage geschickt hast, Du seist jetzt dann mal fertig. Ich habe mich also auf einen versöhnlichen Schlußkommentar von Dir zu diesem Thema eingestellt. Stattdessen muss ich jetzt noch mindestens zehn sehr schwierige Fragen beantworten und weil wir im australischen Lockdown sind, kann ich mich zum inspirierten Schreiben nicht mal in mein Lieblingscafé setzen. Dafür schuldest Du mir drei gemischte Tüten vom Kiosk – aber nur orange Gummibärchen und Lakritze, bloß keine Marshmallows und wenn Lutscher, dann bitte Cola. Kann ich zum Abschluss noch was zum Thema Kronjuwelen schreiben? Weil mir dieses Thema echt am Herzen liegt. Ist Dir schonmal aufgefallen, dass Frauen oft über sich selber sagen, sie hätten gerne volleres Haar, kleinere Füße, wären gerne größer, schlanker, besser in Mathe, sportlicher, ehrgeiziger oder mit Supertalenten ausgestattet. Und während ich mir jetzt die lange Liste der potentiellen Supersachen anschaue, die Frauen an sich blöd und an anderen erstrebenswert finden, sehe ich vor meinem inneren Auge den Typ mit seinem schrumpeligen Weltraumgemüse an mir vorbei bommeln. Das dünne Haar kess über die Glatze gekämmt und die Wampe stolz vor sich her schwenkend. Fazit: Liebe Frauen, ihr seid toll und ich liebe euch. Liebt euch aber selber bitte auch ein bißchen. Und zwar alles!

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