Dialog: Santa’s Got A Bag Of Soul

EDDA: Ich stehe auf coole Weihnachtsmusik. Also: Nicht Wham. Und nicht Mariah Carey. Sondern auf Weihnachtsmusik, zu der man tanzen und sich freuen kann und die ich sammle und jedes Jahr ab dem 1. Dezember von meinem Spotify-Account abrufe. Und weil ich heute meine letzte Prüfung für dieses Jahr abgeleistet habe, werde ich jede meiner Antworten mit einem coolen Weihnachtslied-Zitat beenden. Und Du so? AHA haben ja bestimmt eine Version von Jingle Bells aufgenommen, oder? Magst Du Weihnachtsmusik? 

„It’s still, wonderful night to be alive, baby“ (Christmas in Harlem by Kanye West)

SOPHIE: Ich mag Weihnachtsmusik auch total gern, sogar Wham (was für eine Überraschung!). Ich finde, „Last Christmas“ ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist, vor allem das Video, meine Güte. Oder nicht? Was ich besonders mag: an Heiligabend in der Kirche Weihnachtslieder zu singen, wenn jeder Platz besetzt ist. Das macht mich immer total ergriffen. Ich mag auch diese jazzigen Weihnachtslieder von Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Louis Armstrong, Nat King Cole und so. Schick’ mir mal deine Playlist! Ich tanze nämlich auch gern.

Apropos Prüfung: Wann bist du denn fertig mit deiner Hebammenausbildung? 

„It’s beginning to look a lot like Christmas” (Perry Como)

EDDA: Keine Ahnung, ob ich jemals fertig werde! Ich könnte nächsten November fertig sein .. aber in Corona-Zeiten kommt ja immer wieder was dazwischen. Und wenn – zum Beispiel – meine Mama zur Kinderbetreuung nächsten März nicht einreisen darf, weil mal wieder die Grenzen geschlossen sind oder falls Paul seinen Job verliert (was nicht zur Debatte steht, aber in Corona-Zeiten kann ja nichts ausgeschlossen werden) oder hier die Krankenhäuser so überlastet sind, dass keine Studenten reinkönnen oder ich einfach nicht mehr kann … dann schließe ich nie ab. Sollte dann vielleicht einfach so sein. 

Ich bin immer gerne an Weihnachten in die Kirche gegangen. Naja, vor zwanzig Jahren vielleicht. Wir sind eine sehr kirchen-fremde Familie: keins unserer Kinder ist getauft und Paul ist aus der Kirche ausgetreten. In jedem Fall waren wir noch nie alle gemeinsam in irgendeiner Kirche .. noch nicht mal zum Anschauen. Geht ihr auch sonst in die Kirche? Oder eben an Weihnachten?

„You don’t have to be alone to be lonesome“ (Christmas Song by Phoebe Bridgers)

SOPHIE: Wir gehen zwar selten in die Kirche, aber nicht nur zu Weihnachten. Nach dem Sankt-Martins-Umzug waren wir zum Beispiel auch immer da. Ich mag die Geschichte von Sankt Martin. Im November habe ich eine Kita-Gruppe im Park gesehen, die sie gerade nachgespielt hat: Ein Kindchen saß mit rotem Umhang auf so einem Gummi-Hüpf-Pferd. Sehr niedlich!

„He’s making a list, he’s checking it twice, he’s gonna find out who’s naughty or nice, Santa Claus is coming to town” (Santa Claus is coming to town von Peggy Lee)

EDDA: Sankt Martin ist ein toller Feiertag. Übrigens habe ich ein Faible für Klamotten mit Weihnachtsthemen. Das kann man nicht anders sagen. Wir besitzen eine Sammlung von Kopfbedeckungen mit Elf-Ohren, Rentiergeweih, Lametta, you name it. Jedes Jahr hängen wir die dann zur Weihnachtszeit irgendwo im Haus auf und jeder hat freien Zugriff. In Australien habe ich dann zusätzlich noch die tolle Tradition des Weihnachtsschlafanzugs kennengelernt. Herrlich! Hier gibt es eine Ladenkette, die nur total irre Schlafanzüge verkaufen… also trage ich ab morgen nur noch Schlafanzug. Und zwar Tag und Nacht. Diese Ladenkette heißt übrigens – Achtung – «Peter Alexander». Ohne Scheiß!

„2000 miles is very far through the snow. I’ll think of you wherever you’ll go.” (2000 miles by The Pretenders)

SOPHIE: Ich habe auch eine weihnachtliche Schlafanzughose, die ich sehr mag und die ich am liebsten das ganze Jahr lang tragen würde, weil sie so weich ist. (Ich mag weiche Kleidung und kann zum Beispiel keine Wollpullover anziehen, weil ich die kratzig finde. Oder auch diese Schildchen hinten am Hals! Schrecklich! Die schneide ich immer raus!) Die Hose ist bedruckt mit Dackeln, die Pullover und Krone tragen und mit Weihnachtsbaumkugeln herumtollen. 

„Peter Alexander“ ist ein großartiger Name! Als ich klein war, war ich ein großer Peter-Alexander-Fan. Das ist vielleicht überraschend, aber einfach zu erklären: Meine Oma fand Peter Alexander gut und mein Bruder und ich haben bei ihr gern und gefühlt immer den Film „Im weißen Rößl“ gesehen – schwarz-weiß und mit Gesangseinlagen. Vielleicht hat das den Weg geebnet zu meiner Vorliebe für Musicals und Musikfilme.

Was mir zum Thema Weihnachtspyjamas einfällt: Kennst du die norwegische Netflix-Serie Hjem til jul?! Kann ich nur empfehlen. Am besten auf Norwegisch schauen (mit Untertiteln natürlich). 

And so I’m offering this simple phrase, to kids from one to ninety-two, although it’s been said many times, many ways: Merry Christmas to you” (The Christmas Song von Nat King Cole)

EDDA: Ich kenne nichts auf Netflix. Du kannst mir gerne alles empfehlen! 

Gerne auch, ob ihr irgendwelche Weihnachtsfilme habt, die ihr immer anschaut. Wir waren vor zwei Jahren bei Freunden zu Weihnachten eingeladen und da hat sich rausgestellt, dass ich keinen der Filme kannte, die alle immer so zur Weihnachtszeit anschauen. Die haben mich angestarrt, als hätte man mich erst mit zwanzig aus dem Keller gelassen. 

„But I remember what it was like, astride my yellow bike, first freedom, second life“ (Yellow Bike by Pedro the Lion)

SOPHIE: „Der kleine Lord“ ist bei uns ein Muss und „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“. 

„I’ll hold your hands, they’re just like ice” (Baby it’s cold outside von Sammy Davis Jr. und Carmen McRae)

EDDA: Ich mochte sehr lange „Nightmare before Christmas“ von Tim Burton. Aber der macht meinen Kindern Angst. Ich liebe „Edward mit den Scherenhänden“, der ja irgendwie auch ein Weihnachtsfilm ist. Ich mag überhaupt Tim Burton-Filme sehr. Aber das ist meinen Kindern alles zu wild, irgendwie. „Der kleine Lord“ kenne ich nur als Hörbuch und fand das so altmodisch. Ist das beim Film auch so? Niedlich, irgendwie. Erzähl mal von euren Weihnachtstraditionen. Welche sind Dir am liebsten? Habt ihr einen Weihnachtsbaum? Und einen Adventskalender? 

„Oh, I do miss the sweet winter bliss“ (It’s Christmas but it’s not white here in our town by Kishi Bashi)

SOPHIE: Der Film ist total niedlich, aber das ist ja gerade das Schöne!

NATÜRLICH haben wir einen Weihnachtsbaum, den wir jedes Jahr kurz vor Weihnachten aufstellen (am 22. oder eher noch am 23. Dezember) und dann gemeinsam schmücken. Ich mag es immer total, wenn der Baum im Wohnzimmer steht, er strahlt so eine Ruhe aus. Wir haben einen Erker, der wie für den Baum gemacht ist. Und die (elektrischen) Lichter spiegeln sich so schön im Parkett. 

Normalerweise sind wir zu Weihnachten nachmittags immer in die Kirche zum Krippenspiel gegangen, vergangenes Jahr natürlich nicht wegen Corona. Und auch dieses Jahr werden wir darauf verzichten (müssen). Im Anschluss fahren wir zu meinen Eltern, dort gibt es Kaffee und Kuchen. Mein Mann bäckt am 24. Dezember vormittags immer einen Mohnstriezel und hört dazu die Filmmusik von „Sinn und Sinnlichkeit“. Den Striezel bringen wir dann mit, meine Mutter liebt Mohnkuchen. Bei meinen Eltern gibt es eine erste Bescherung mit den Geschenken, die der Weihnachtsmann (!) zu ihnen gebracht hat. Zum Abendessen gibt es immer Würstchen mit Kartoffelsalat. Kennst du die Weihnachtsgeschichte „Felix holt Senf“ von Erich Kästner? Die ist wunderschön! Ich kann sie gar nicht vorlesen, weil ich immer weinen muss. 

Wenn wir abends von meinen Eltern nachhause kommen, gibt es eine zweite Bescherung und wir packen die Geschenke aus, die der Weihnachtsmann zu uns gebracht hat. Jedes Jahr ist ein Gesellschaftsspiel mit dabei, das wir an den Weihnachtstagen ausprobieren. 

Wie oft habe ich jetzt das Wort „immer“ geschrieben? Ich LIEBE Rituale!

Und ihr? Habt ihr auch Rituale? Die müsst ihr wahrscheinlich immer ein bisschen an euren Aufenthaltsort anpassen, oder? Kommen denn deine Eltern nach Australien?

„The First Noel, the Angels did say, was to certain poor shepherds in fields as they lay. In fields where they lay keeping their sheep on a cold winter’s night that was so deep” (The First Noel von Frank Sinatra)

EDDA: Wir haben seit Jahren keinen Weihnachtsbaum mehr. Ich schätze, seit 7-8 Jahren oder so. Bei uns gibt es auch kein jährliches Weihnachtsessen und wir haben keine Rituale. Ich befürchte, Dir würden wir wie die Addams Family vorkommen. Bei uns gibt es noch nicht mal immer Geschenke. Das bedeutet nicht, dass es bei uns nicht weihnachtlich ist – aber möglicherweise, dass es anders weihnachtlich ist. Meine Eltern bleiben in Deutschland. Gerade ist einfach nicht die Zeit, um in der Welt rumzureisen, finden wir. Dafür treffen sich dann aber meine Eltern zum Abendessen und denken an uns. Meine Eltern mögen Rituale nämlich auch sehr gerne. Nur ich nicht – irgendwie aus der Art geschlagen. 

„Drive beneath the stars ‘cause I would never miss this“ (Driving under stars by Marika)

SOPHIE: Die Addams Family kennst du immerhin (zumindest vom Hörensagen), also doch keine 20 Jahre im Keller… Ich habe den Film übrigens nie gesehen. 

Was meinst du damit: „Meine Eltern treffen sich zum Abendessen.“? Das klingt so förmlich, als ob sie sich dafür erst verabreden müssten. 

„O come all ye faithful, joyful and triumphant, o come ye, o come ye to Bethlehem” (Oh come all ye faithful von Ella Fitzgerald)

EDDA: Ich kenne die Filme auch nicht, aber als totaler Comic-Fan kenne und mag ich die Comics. Die Addams Family war ursprünglich ein Comic des New Yorker und die Originalzeichnungen sind grandios. Ich habe als Kind sehr gerne Bilder von Edward Gorey angeschaut und die Addams Family sind von der Ästhetik so ähnlich. Ach so, meine Eltern leben nicht miteinander. Essen aber dreimal die Woche miteinander zu Abend. Oder eben, wenn sie sich dazu verabreden. Wieso gehst Du denn automatisch davon aus, dass Eltern immer auch miteinander leben? Weil das normalerweise so ist?

„He said only „sundown, Sundays, Christmas“ (Its called: Freefall by Rainbow Kitten Surprise)

SOPHIE: Bisher klang es irgendwie so, als ob deine Eltern zusammen wären. Aber ich halte das nicht für selbstverständlich.

Ach so, die Mädchen haben natürlich auch einen Adventskalender, aber nichts Großes. Sie haben einen zu dritt: kleine Tütchen mit Wichtelaufdruck von IKEA, die ich mit Süßigkeiten fülle, an manchen Tagen gibt es auch Deko für Plätzchen und manchmal auch Geld für ihre Spardosen, in denen sie Geld für ihren nächsten Reiterhofaufenthalt sammeln. Früher gab es natürlich andere Kleinigkeiten und kein Geld. Aber die beiden Großen sind geschenkemäßig in einem etwas schwierigen Alter. Spielzeuge funktionieren nicht mehr. 

„Think of all the fun I’ve missed, think of all the fella’s that I haven’t kissed” (Santa Baby von Eartha Kitt)

EDDA: Das ist unser einziges Weihnachtsritual! Wir haben einen Familienadventskalender. Am Ende des Jahres suche ich immer die schönsten Fotos des Jahres aus und beklebe damit U4 Kuverts. Die werden dann mit Geschenken befüllt (allerdings nichts zum Essen) und Anfang Dezember wird eine Reihenfolge ausgelost. Dann darf sich jeden Tag jemand ein Kuvert aussuchen und aufmachen. Dabei kann es sein, dass man ein Pappbilderbuch erwischt und selber schon 11 Jahre alt ist. Gestern hat der Ire ein My Little Pony zum Bürsten ausgepackt. Und unter den kritischen Augen seines 6 Jahre alten Sohnes sehr ausdauernd gebürstet. Dafür gibt es nie nur 24 Kuverts, sondern vielleicht 40 (je nachdem, wieviel Kram ich in meiner Adventskiste hatte) und gegen Ende dürfen dann mehrere Leute pro Tag ein Kuvert aufmachen. 

„I saw it with my own eyes, written up in the skies“ (Christmas must be tonight by Bahamas)

SOPHIE: Das klingt nach einem schönen Ritual. Bei uns gibt es übrigens auch nicht tonnenweise Geschenke zu Weihnachten. 

„Sleigh bells ring, are ya listenin‘? In the lane snow is glistenin‘, a beautiful sight, we’re happy tonight walkin‘ in a winter wonderland!” (Winter Wonderland von Lou Rawls)

EDDA: Hast Du eine sehr traurige Weihnachtsgeschichte? Oder eine sehr schöne?

„The boys of the NYPD choir were singing Galway Bay and the bells were ringing out for Christmas day“ (Fairytales of New York by The Pogues)

SOPHIE: Was mich in bisschen traurig macht, ist, dass wir ein zweites Mal Weihnachten unter Corona-Bedingungen feiern müssen. Irgendwie hatte ich gehofft, dass wir das in diesem Jahr hinter uns lassen können. Ich weiß gerade noch nicht, ob wir überhaupt zusammen mit meinen Eltern feiern können – nicht, dass uns eine Quarantäne reingrätscht oder so. Ich möchte mich lieber nicht zu früh freuen.

Aber ich habe zwei sehr schöne Weihnachtsgeschichten im Angebot: Als ich Kind war, haben meine Eltern mal einen frisch gekauften Weihnachtsbaum mit einer Wäscheleine auf dem Dach unseres Autos festgebunden, damit wir ihn nach Hause transportieren konnten. Die Leine immer schön über den Baum auf dem Dach und durch die geöffneten Fenster oben durch. Und als sie fertig waren, haben sie festgestellt, dass sich die Türen nicht mehr öffnen ließen. Hatten sie einfach mit zugebunden. Mein Bruder und ich saßen, glaube ich, schon im Auto. Und meine Eltern sind dann durch den Kofferraum reingeklettert und haben die Klappe von innen zugezogen. Als wir zuhause angekommen waren, mussten wir darauf warten, dass zufällig jemand vorbeikommt und die Klappe wieder öffnet. Ich glaube, es war der Sohn unserer Nachbarn.

Die andere spielt zu Weihnachten 2019, als meine Schwägerin, die Schwester meines Mannes, am ersten Weihnachtstag zu Besuch nach Berlin kam. Die Kinder wussten nichts davon, mein Mann war unter dem Vorwand, noch etwas beim Bahnhof einkaufen zu müssen, zum Südkreuz gefahren und hat sie abgeholt und dann zu meinen Eltern gefahren. Danach hat er uns zuhause aufgelesen und wir sind dann zusammen ebenfalls zu meinen Eltern. Meine Tante war auch da, mein Bruder und seine zwei Kinder. Meine beiden älteren Töchter hatten für später eine Zaubershow vorbereitet und ich hatte mit ihnen besprochen, dass sie noch vor dem Kuchenessen Werbung dafür machen und Papi als Indianer mit Kopfschmuck herbeizaubern sollten. Mein Mann sollte mit Federkrone draußen im Flur warten und auf ein vereinbartes Stichwort hin erscheinen. Er ist also raus, hat die Federkrone aber seiner Schwester gegeben, die sich in einem anderen Zimmer versteckt gehalten hatte. Die Mädels „zauberten“ – und herein kam nicht Papi, sondern meine Schwägerin! Du hättest mal die Gesichter der Kinder sehen sollen! Das war wirklich toll. Die Idee dazu habe ich übrigens von der wunderschönen und lustigen Weihnachtsgeschichte „Weihnachtsüberraschungen“ von Paul Maar geklaut. 

Erzähl‘ auch mal eine Weihnachtsgeschichte! Oder zwei oder drei.

„Dashing through the snow in a one-horse open sleigh through the fields we go laughing all the way.” (Jingle Bells von The Swingle Singers)

EDDA: Ich war zu Vor-Kinder-Zeiten mal zu Weihnachten in Las Vegas. Und hatte da das schönste Weihnachten aller Zeiten. Ich war nämlich am Heiligabend zwischen künstlichen Lichtern, Musik und Party-Gängern unterwegs und bin am nächsten Tag durch Death Valley gefahren, wo es so still ist, dass man das Blut in den eigenen Ohren rauschen hört. Ich habe mir da zu Weihnachten selber ein paar rosafarbene Cowboystiefel geschenkt und besitze die bis heute.  

Wir haben es nie geschafft, Weihnachten in Irland zu verbringen. Dabei haben unsere Kinder insgesamt sieben Cousins und Cousinen und hätten bestimmt Spaß – aber es hat sich nie ergeben. Einmal standen wir allerdings kurz davor. Da war Beanie allerdings erst 1 Jahr alt und hat auf einmal hohes Fieber bekommen, als wir schon mit einem Bein aus der Haustür auf dem Weg zum Flughafen waren. Ehrlich, wir saßen auf gepackten Koffern und dann war das Kind krank. Also ist der Ire allein geflogen und ich saß mit Beanie in Zürich. Wir hatten keine Geschenke, keine Deko, keine Kekse – nichts. Also habe ich eine Standleiter mit Geschenkband umwickelt und alles drangehängt, was geglänzt hat. Und für Beanie eins seiner alten Bilderbücher eingepackt und es ihm gerade nochmal geschenkt. 

Habe ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich am 24. Dezember Geburtstag habe? Passt irgendwie zu mir, finde ich.

„All the lights are coming on now.“ (The Christmas Song by The Raveonettes)

SOPHIE: Sag mir mal, real Grinch-lein, wieso du meinst, dass das ausgerechnet zu dir passt? Wenn du keine fünf Kinder, einen Mann und Kaninchen hättest, würde ich dich für eine Einzelgängerin (in rosa Cowboystiefeln) halten…

„May your days be merry and bright and may all your Christmas‘ be white” (White Christmas von Tony Bennett)

EDDA: Bin ich auch. Das kann man auch gut mit fünf Kindern und Riesenhasen sein. Einzelgänger sind ja in sich allein. Da kann um sie rum noch so sehr die Party toben. Nächstes Weihnachtsthema: Weihnachtskekse. Muss ich noch mehr sagen?

„And Christmas is going to the dogs, we’d rather have chew toys than Yule logs, and things aren’t looking very good, it’s true. So I’ll just lay here and chew“ (Christmas Is Going To The Dogs by Eels)

SOPHIE: Na, klar: Plätzchen!!! Vielleicht müssen wir unser Kuchen-Profiling wieder herauskramen. Wer Zimtsterne liebt, hat Ecken und Kanten und offenbar massig Zeit, um in der Küche zu stehen. Vanillekipferl-Fans sind zerbrechlich und haben den Hauch von Exotik. Freunde von Puddingplätzchen schaffen es, mit wenig Aufwand maximal gut dazustehen. (So eines wäre ich auch gern!)

„Oh little town of Bethlehem, how still we see thee lie, above thy deep and dreamless sleep the silent stars go by” (Oh little town of Bethlehem von Ella Fitzgerald)

EDDA: Spritzgebäck-Liebhaber halten Cholesterin für eine ostmongolische Provinz. Wer Lebkuchen liebt, fährt gerne Kettenkarussell. Und Bethmännchen-Fans machen ihren Kartoffelsalat ohne Mayonnaise. 

„Don’t let the bells end“ (Christmas Time by The Darkness)

SOPHIE: Wie fühlt es sich für dich an, Weihnachten im Sommer zu feiern? Ich habe das auch einmal erlebt, 1995 während meines Schüleraustauschs nach Argentinien. Wahrscheinlich hat es mir geholfen, dass alles so wahnsinnig unweihnachtlich war. Gut gegen Heimweh. 

„Gifts I’m preparing for some Christmas sharing but I pause because hanging my stocking I can hear a knocking.
Is that you, Santa Claus?” 
(Is zat you Santa Claus von Louis Armstrong)

EDDA: Wir waren vor ein paar Jahren mit den Kindern in Kapstadt über Weihnachten und haben rausgefunden, dass das, was für uns unweihnachtlich ist, eigentlich nur eine andere Art des Zelebrierens ist. In warmen Ländern ist Weihnachten mehr draußen und schon allein deswegen sozialer, weil eben nicht jeder in seinen eigenen vier Wänden sitzt. Stell Dir mal vor, wie es Menschen geht, die in Deutschland an Weihnachten allein sind. Und alle anderen hocken in den Familien zusammen und essen Gans, keine Sau auf der Straße. Hier – und das war in Südafrika auch so ähnlich – wird viel draußen gefeiert. Es gibt Weihnachtskonzerte am Strand und viele Menschen feiern auch ohne Familienverbund zusammen. Ich halte Weihnachten auch hier nicht so Nahrungsmittel-orientiert, was ich super finde. Dafür ist jetzt gerade Kirschen und Erdbeer-Saison, es gibt frische Mangos und Pfirsiche. Die meisten Leute gehen über Weihnachten an den Strand und in den Städten ist die Hölle los, weil alle draußen sitzen.

And it’s hardly ever snowing the way it’s meant to be like in White Christmas year after year, Bing Crosby, Bing Crosby, are you listening to me?“ (It doesn’t often snow at Christmas by The Pet Shop Boys)

SOPHIE: Für mich hat Weihnachten mit Besinnlichkeit und auch mit innerer Einkehr zu tun, damit, zur Ruhe zu kommen und so. Das kann ich im Winter deutlich besser, wahrscheinlich, weil mir sowieso nichts anderes übrigbleibt. Um halb vier ist es dunkel!!! Muss ich mehr sagen? Wenn nicht Weihnachten mit all seinem Lichterglanz wäre, würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen und sie erst im März wieder ablegen.

Ach, so: Wer Spekulatius mag, kennt sich mit Börsengeschäften aus. Fans von Bärentatzen haben ein Herz für Tiere. Und wer gern Heidesand bäckt, liebt ausgedehnte Spaziergänge in der Natur und die Farbe Lila.

Sagt man sich zu Weihnachten nicht auch immer nette Dinge? Weihnachten als Fest der Liebe? Darf ich noch etwas Besinnliches sagen, wenn ich schwöre, es im Anschluss mit einem Liedzitat durch den Kakao zu ziehen? Liebe Edda, ich bin froh, dass wir es gemeinsam so weit geschafft haben, obwohl wir uns sehr zufällig kennengelernt und noch nie gesehen haben, nicht immer derselben Meinung sind, unsere Lebensumstände mit Lockdown und Hebammenausbildung, Redakteursjob, insgesamt acht Kindern, herzkrankem Mann etc. uns eigentlich so sehr fordern, dass es auch nachvollziehbar gewesen wäre, dieses Projekt gar nicht erst zu starten oder wieder im Sand verlaufen zu lassen. Danke, dass du darauf vertraust, dass das hier alles Sinn macht und es sich lohnt, unsere Gedanken per Flaschenpost zu versenden. Und danke auch an euch, liebe, feine Leserschaft für eure Treue! Auf ein gemeinsames Jahr 2022!

„Once bitten and twice shy I keep my distance, but you still catch my eye” (Last Christmas von Wham)

EDDA: Makronen-Fans benutzen Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 5, weil sie so lecker nach Kokos riecht. Wer hingegen Baumkuchen backt, hat einfach echt sehr viel Zeit und sucht nach einem neuen Hobby. Liebe Sophie, ich mag Dich. Frohe Weihnachten. Ich freue mich auf unser nächstes gemeinsames Schreibjahr. 

„Oh, oh, yeah, yeah oh oh, ooh yeah“ (Christmas (Baby Please come Home) by Mariah Carey)

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